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Tag der Befreiung

75 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs: Krisen und Kriege gemeinsam beenden

Der Kirchenpräsident der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) Volker Jung hat anlässlich des Endes des Zweiten Weltkrieges vor 75 Jahren an die Verantwortung aller erinnert, „für gerechten Frieden in unserer globalisierten Welt einzutreten“.

Nach dem Ende des Kriegs in Europa am 8. Mai 1945 seien mit der Gründung der Vereinten Nationen und dem Versöhnungs- und Integrationsprozess in Westeuropa die Basis für Frieden und Wohlstand gelegt worden. Diese Fundamente aus „der bitteren Erkenntnis, durch Nationalismus und Rassismus in Deutschland große Schuld auf sich geladen zu haben, und der im Grundgesetz zurecht an oberste Stelle gesetzten Orientierung an der Würde aller Menschen“ dürften nie wieder infrage gestellt werden. Die Hoffnung, dass sich nach dem Ende des „Kalten Krieges“ 1989 eine gerechte Friedensordnung in der globalisierten Welt durchsetzen würde, hätte sich jedoch nicht erfüllt, sagte Jung. Die ökonomischen und ökologischen Krisen der vergangenen Jahrzehnte hätten gezeigt, dass das biblische Gebot „Frieden zu stiften“ noch nicht erfüllt sei.

Geld und Intelligenz für Forschung und nicht Rüstung

Mit Blick auf die Corona-Pandemie sei „der Geist einer globalen Empathie und weltweiten Solidarität“ nötig, um „der wohl größten Herausforderung der jüngsten Geschichte zu begegnen“. Die absehbaren Folgen der Pandemie wie der ökonomische Wiederaufbau und der Verfügungswille über medizinische Ressourcen dürften nicht dazu führen, dass sich Staaten gegeneinander stellen. Zudem zeige die Krise, wie elementar es sei „Geld und Intelligenz in medizinische Forschung, das Gesundheitswesen, den Klimaschutz und in Bildung zu stecken und nicht in Aufrüstung“. Für Christinnen und Christen stehe es im „Zentrum des Glaubens, dass Gott ein Gott des Lebens und des Friedens sei und nicht des Todes und des Krieges“. Deshalb müsse alles getan werden, um Konflikte zivil zu bearbeiten. Jung: „Es gibt keinen gerechten Krieg, sondern nur gerechten Frieden.“

Judenverfolgung ist auch Tiefpunkt der Kirchengeschichte

Gleichzeitig erinnerte Jung auch an die Mitschuld der evangelischen Kirche am Nazi-Regime in Deutschland. So hätten die Kirchen „den Aufstieg der Nationalsozialisten in weiten Teilen mitgetragen, der menschenverachtenden Politik überwiegend tatenlos zugesehen oder sie sogar befördert“. Zu den „Tiefpunkten der Kirchengeschichte“ gehöre es nach Jung, dass die Kirchen oft in breiter Zustimmung „die Verfolgung Menschen jüdischen Glaubens und anderer Minderheiten vorbehaltlos unterstützt hätten. Nach 1945 habe die evangelische Kirche „ihr Versagen benannt, ihre Mitschuld am millionenfachen Tod bekannt und daraus in tiefer Scham Konsequenzen gezogen“. Jung: „Das Eintreten gegen jede Form von Antisemitismus und jede Form von gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit ist seitdem eine bleibende Verpflichtung und Aufgabe der evangelischen Kirche.“


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