Die Erinnerung an die nationalsozialistischen Verbrechen vom 9. November 1938 sei deshalb nicht nur eine Verpflichtung gegenüber den Opfern der Vergangenheit, sondern auch ein dringender Auftrag für die Gegenwart: Jüdisches Leben müsse in Deutschland sichtbar, frei und sicher möglich sein.
Heinrich betonte die Bedeutung gelebter Solidarität mit jüdischen Menschen: „Fast 90 Jahre nach den Novemberpogromen erleben Jüdinnen und Juden in Deutschland erneut Anfeindungen, Bedrohungen und Ausgrenzung. Dass Menschen Angst haben müssen, ihre jüdische Identität offen zu zeigen, dürfen wir nicht hinnehmen. Wir dürfen nicht schweigen, wenn Menschenwürde und Demokratie angegriffen werden. Wir müssen uns immer wieder selbstkritisch fragen, ob wir entschieden genug widersprechen, Haltung zeigen und Widerstand leisten.“
Bischöfin Fehrs erinnerte an die besondere Verantwortung von Christinnen und Christen: „Zum Gedenken an den 9. November 1938 gehört für uns als Kirche auch der Blick auf die eigene Geschichte. Christliche Judenfeindschaft hat dazu beigetragen, Ausgrenzung und Gewalt den Boden zu bereiten. Auch deswegen setzen wir uns als Kirche entschieden dafür ein, dass jüdische Menschen in Deutschland frei, sichtbar und sicher leben können. Jeder Form von Antisemitismus und jeder Bedrohung jüdischen Lebens müssen wir uns mit aller Entschiedenheit entgegenstellen. Das ist bedrückenderweise heute von besonderer Dringlichkeit.“
Während der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), die vom 8. - 11.11.2026 in Würzburg tagt, werden EKD-Vertreter*innen von Präsidium, Rat und Kirchenkonferenz an einer Gedenkveranstaltung der Stadt zum 88. Jahrestag der Pogromnacht teilnehmen.
Die Synode der EKD hat 2023 in einem Beschluss bekräftigt, dass christlicher Glaube und Antisemitismus unvereinbar sind. Die EKD hat dazu Materialien bereitgestellt, wie Gemeinden ein Zeichen gegen Antisemitismus setzen können. Zudem erklärt eine vollständig überarbeitete Broschüre historische Wurzeln und aktuelle Erscheinungsformen. Sie fragt nach christlicher Judenfeindschaft, israelbezogenem Antisemitismus und problematischen postkolonialen Deutungen. Prüffragen, Handlungshinweise und weiterführende Links helfen, eigene Denkmuster zu hinterfragen, Betroffene zu unterstützen und judenfeindlichen Äußerungen zu widersprechen.
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